Geschichte der Schule und Geschichten aus dem Schulleben, festgemacht an Personen und persönlichen Erinnerungen, sind der Kern des knapp 300 Seiten starken Buches, das als Festschrift des Gymnasiums Philippinum vorliegt. Herausgeberin ist die Schulleiterin Dr. Erdmute Pickerodt-Uthleb.
Unter der Überschrift "Zukunft braucht Erfahrung" Motto der Festschrift zum 475Jährigen - steht nicht nur ihr Vorwort, sondern auch ihr mehrseitiger Text über die Entwicklung der Schule in den vergangenen 25 Jahren. Ein kurzer Zeitraum aus einer langen Schulgeschichte, aber Pickerodt knüpft da an, wo die Festschrift zum 450-jährigen Bestehen der Schule endete.
Sie liefert einen Überblick zum Einstieg, der auch Außenstehenden einen Einblick in die Struktur des Gymnasiums sowie das Leben der Schulgemeinde vermittelt.
Wer diese Festschrift als Lesebuch annimmt, wird auf seine Kosten kommen. Denn dieses Verständnis gibt ihm die Freiheit, einzelne Beiträge herauszupicken. Zu finden ist nicht nur Geschichtliches, sondern auch Interessantes über das alte Gymnasium Philippinum als Bauwerk.
Der Beschäftigung mit vergangenen Zeiten folgt die frischere Erinnerung ehemaliger Schüler und mündet in den Berichten heutiger Schülerinnen und Schüler. Damit ist erneut das Ende eines Schul-Fadens erreicht, der in der Festschrift zum 500-jährigen Bestehen des Gymnasiums fortgeführt werden kann.
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Ein Beitrag in der Festschrift - "Schmerzensgeld für den Besuch des Gymnasiums Philippinum?" - ist so etwas wie ein Bindeglied zur "Gegenfestschrift", die sich als "Forum für die Gegenrede" präsentiert. Die Verfasserin des oben zitierten Beitrages, Dörte von Drigalski, hat 1961 am Philippinum Abitur gemacht und ist auch eine der drei ehemaligen Schüler, die die Gegenfestschrift verfasst haben.
Die Ärztin, Jahrgang 1942, ermuntert mit ihrem Beitrag in beiden Schriften zu einem "kritischen Austausch". Und obwohl sie ihre Aussagen gern mit einem Fragezeichen versieht - "Habe ich an dieser Schule Schaden gelitten?" - ist ihr Beitrag eine klare Abrechnung mit dem humanistischen Gymnasium Philippinum.
"Das geheime Curriculum" lautet der Titel dieser Gegenfestschrift. Kai von Drigalski, Jahrgang 1937, formuliert dazu die Hypothese: "Die Konstituierung konservativer Weltanschauung geschieht ganz wesentlich durch Welt-nicht-Anschauung. Und Welt-nicht-Anschauung war ein zentrales Element des umgeschriebenen Curriculums am Philippinum."
Drigalski zieht aus seinem Rückblick das Resümee: "Die eigentliche Sternstunde des humanistischen Gymnasiums war das Dritte Reich." Das sei die Leiche im Keller des humanistischen Gymnasiums von der man nicht spreche. Nach 1945 sei bis zum Beginn der 60er Jahre am Philippinum über das Dritte Reich geschwiegen worden.
Ein Kapitel, das auf gearbeitet werden müsse, sagt Schulleiterin Pickerodt. Aber das alleine sei nicht "das Philippinum". Mit Pickerodt haben die Autoren der Gegenfestschrift sich vorab nicht in Verbindung gesetzt.
Die Festschrift "Zukunft braucht Erfahrung, 475 Jahre Gymnasium Philippinum", ist im Buchhandel erhältlich.
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